21. Dezember

gif_xmastree21.gifEin Gleichnis
(Eugen Roth)

Ein Mensch beäugt im halben Traum,
Die Lichter still am Weihnachtsbaum.
Und Wehmut schleicht sich im ins Herze,
Wie Kerze niederbrennt um Kerze.

Oft sind es grad die starken, stolzen,
Die unverhofft hinweggeschmolzen.
Zuletzt sind sechse oder sieben
Als arme Stümplein übrig blieben.

Der Mensch, nicht aberglaubenfrei,
Sucht eins, dass es das seine sei.
Hoch oben flackert eins und lischt,
Tief unten raucht eins und verzischt.

Ein Drittes blau nach Luft noch schnappt –
Schon ist sein Wachs davongeschwappt.
Doch seines, wies auch knisternd keucht,
Erhebt sich neu zu Goldgeleucht.

Die Schatten werden riesengroß –
Das eine – seine hält sich bloß.
Ein letztes Tasten noch des Lichts –
Dann kommt das ungeheure Nichts.
Der Mensch entreißt sich seinem Wahn –
Und knipst die Deckenlampe an …

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Ja von wegen, manche Menschen scheinen aus dem Bericht aus der Gemeinde Stenkelfeld Nichts gelernt zu haben. So eben erzählte mir ein Nachbar von einer …

Lichterhellen Weihnachtszeit

1. Advent: Besinnlich und friedlich soll sie werden, die Vorweihnachtszeit. Habe das auch meinem Nachbarn erläutert, der mir darin voll zustimmt. Die kalte Witterung lässt die Gedanken klarer hervortreten, der Alltag mit seinen dummen Streitereien tritt zurück und macht wirklich Wichtigem Platz. Mein Nachbar hat mir erzählt, dass er in diesem Jahr seine Tanne im Garten mit hübschen Lichtern schmücken will. Wegen der Stimmung. Finde das toll.

5. Dezember: Seit gestern hat mein Nachbar einen Tannenbaum illuminiert. Kleine Lämpchen, ca. 20 Stück, weiß. Sieht hübsch aus, sagt die ganze Nachbarschaft. Habe beschlossen, solidarisch an der weihnachtlichen Ausschmückung der Nachbarschaft mitzuwirken, und mich darum im Baumarkt nach kleinen Lämpchen umgesehen. Natürlich sollten es nicht zu wenige sein, wegen der Wirkung. Erstand kurzentschlossen eine 50er-Lichterkette mit extrastarken Lämpchen, brillantweiß. Werde sie gleich heute Abend montieren.

7. Dezember: Komische Sache. Mein Nachbar scheint meinen Wunsch zur gutnachbarlichen Zusammenarbeit zwecks Verschönerung der Straße missverstanden zu haben. Heute Morgen waren bei ihm sämtliche Tannenbäume, zwei Kirschbäume und eine Plantane mit Lichterketten versehen. Eine flüchtige Zählung mit dem Feldstecher ergab im Durchschnitt ca. 80 Lämpchen je Baum. Soll das etwa ein Wettbewerb werden? Ist doch erwachsener Menschen unwürdig!

11. Dezember: Kam heute Mittag zufällig am Baumarkt vorbei. Wusste gar nicht, dass man bei Abnahme von 15 Lichterketten à 150 Leuchteinheiten Sonderrabatte erhält. Besonders effektvoll sollen blinkende Ketten sein, vorzugsweise die 250er-Einheiten mit Hochspannungssicherheitstransformator und induktivem Schalter. Will das ganze aber nicht übertreiben, habe daher für die ganze Tanne lediglich zwei davon gekauft. Komme unter Einsatz von zwei Gummibäumen auf jetzt 14 illuminierte Gewächse. Ein Hauch des Friedens geht von meinem Garten aus.

13. Dezember: Eine Kampfansage! Mein verschwendungssüchtiger Nachbar hat den kompletten Zaun mit Leuchtkörpern behängt. Ca. 1000 rhythmisch blinkende Lampen in den geschmacklosesten Farben. Was für eine proletarisch-billige Form der Weihnachtsbeleuchtung! Das bestätigte mir auch mein Elektriker, der an unserer Fassade Leuchtsterne du biblische Motive angebracht hat und meinte: „Wenn schon Beleuchtung, dann aber mit leuchtstarken Halogenstrahlern wie diesen hier!“

Blendende Weihnachten

16. Dezember: Die rhythmisch blinkenden Figuren an sämtlichen Fenstern des Nachbarn verursachen mir seit Tagen schlimme Kopfschmerzen, die auch bei Betrachtung meiner neu angebrachten 5000 Watt Lichtbogenhimmelsstrahler nur unwesentlich besser werden. Sie werfen rhythmisch zuckende Lichtfinger in den wolkenverhangenen Himmel und geben einen interessanten Kontrast zu den lasergesteuerten Beamern, die auf die Wolken grell leuchtende Bilder mit Szenen aus der Weihnachtsgeschichte malen. Dagegen sind die neu installierten Lauflichter an den Fassadenkanten des Hauses meines intriganten Nachbarn geradezu lächerlich.

19. Dezember: Hatte heute Besuch eines Technikers der städtischen Stromwerke, der den enormen Anstieg meines Stromverbrauchs für einen Defekt im Leitungssystem hielt. Unsere Unterhaltung wurde stark gestört durch das elektrische Glockenspiel auf dem Nachbarsgrundstück, das mit 38 Kupferglocken die bekanntesten 40 Weihnachtslieder erklingen lässt. Der Techniker empfahl mir, einen 20KV Industrietrafo einbauen zu lassen und im Abrechnungssystem auf eine Gewerbeabrechnung für mittelgroße Betriebe umzusteigen. , wegen der günstigeren Grundgebühren. Beim Weggehen meinte er kopfschüttelnd, ob ich nicht etwas gegen dieses Glockengeläut unternehmen wolle. Zeigte ihm meine neuen 2000 Watt Außenlautsprecher mit Ultra-Subwoofern und die zugehörige Abspielstation für die CD mit dem Lied „Stille Nacht“. Gehe heute Abend auf Sendung.

20. Dezember: Habe einen weiteren Beamer installiert, der auf das Garagentor die Neuverfilmung der Geschichte Christi projiziert. In Reserve halte ich noch eine Kopie des Films „Die zehn Gebote“. Da kann mein geschmackloser Nachbar mit seinen Außenlautsprechern und dem Hörspiel der Weihnachtsgeschichte natürlich einpacken, zumal der Schneewerfer auf meinem dach durch die erzeugten Schneemengen alle Geräusche stark zu dämpfen pflegt. Mehrere strategisch angebrachte Heizstrahler halten meine beleuchteten Gartenbäume schneefrei.

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22. Dezember: Die Menschenmassen in unserer Straße nehmen langsam unübersehbare Ausmaße an. Dabei kann ich voller Stolz feststellen, dass das Ausblasen von feinen Silbersternen vor dem Haus die allgemeine Bewunderung auf diese Seite der Straße konzentriert. Da kann auch das Rentiergespann meines Nachbarn nichts dran ändern. Zumindest seit ich einen Stand für Getränke und Gebäck eingerichtet habe.

24. Dezember: Etwas Merkwürdiges ist passiert. Die Stadtverwaltung hat alle weihnachtlichen Zurschaustellungen in meiner Straße verboten, mit dem völlig irrelevanten Argument, hier werde ein nicht genehmigter Weihnachtsmarkt abgehalten. Bin fassungslos. Und das an Weihnachten, dem Fest des Friedens und der Besinnung!

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Nun ist es doch langsam Zeit, die Rumkugeln zu machen. Bitte beachtet, dass es die für Erwachsene sind. Ansonsten sollte man eher weniger und normalen Rum oder Rumaroma verwenden.

Rumkugeln

Zutaten:
rumkugeln002.jpg150 g Zartbitter-Blockschokolade
70 g Butter
70 g Puderzucker
1 Eigelb
125 g Gemahlene Mandeln
3 tb Rum (Ich nehme Stroh-Rum 80% und tb hieß bei mir immer Augenmaß nach Geschmack – Mitterweile weiß ich, dass das „tb“ für „tablespoon“ – Esslöffel steht)
2 tb Kakaopulver
50 g Getrocknete Kokosraspeln

Die Blockschokolade hacken, mit der Butter in einen kleinen Topf geben. Bei geringer Hitze langsam schmelzen, gelegentlich umrühren. Den Puderzucker einrühren. Das Eigelb mit einem Schneebesen aufschlagen und mit den Mandeln und dem Rum zur Schokolade geben.

Alles gründlich verkneten, etwa 1/2 Stunde kühl stellen. Mit zwei Teelöffeln kleine, gleichmäßige Portionen abstechen. Die Portionen mit den Händen zu Kugeln formen, die Hände zwischendurch immer wieder unter kaltes Wasser halten. Die Hälfte der Rumkugeln in Kakaopulver, die andere Hälfte in Kokosraspeln wenden. Mindestens 30 Minuten kühl stellen.

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Aber Vorsicht!

Dr Algohol
(aus Lene Voigs Kochbuch)

In Maßen dut dr Algohol
dn allermeerschten Leiten wohl.
Doch wer sei Seifchen iwerdreibt,
nich ohne beese Folchen bleibt.

Ganz winzche Schwibbse sin erdrächlich.
Besoffenheit blamiert unsäächlich.
Was mancher da schon angerichtet,
hat de Garriäre glatt vernichtet.

Hamm ringsum alle ooch ’nen Affen,
wärd geener uff sein Nachbar gaffen.
Doch sin ganz Nichterne noch drunter,
dann rutscht mr in dr Achtung nunter.

Drum will dr Mensch ä Fläschchen gibben,
dann mußrsch heeme solo nibben.
Da merktrsch nachhär bloß alleene,
wenn bletzlich wacklich wärn de Beene.

birds-garland

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