5. Dezember

Im Advent bei Kerzenscheinwichtelkerze.jpg
die Kindheit fällt dir wieder ein.
Ein Adventskranz mit seinen Kerzen
lässt Frieden strömen in unsere Herzen.
Des Jahres Hektik langsam schwindet
und Ruhe endlich Einkehr findet.
Ein Tag, er kann kaum schöner sein,
als im Advent bei Kerzenschein.

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Die liebe Weihnachtszeit

Wenn das liebe Weihnachtsfest vor der Tür steht, machen die meisten Menschen eine seltsame Wandlung durch, als hätte sie jemand verzaubert. Die Bezeichnung „Weihnachtsmann“ ist kein Schimpfwort mehr, sondern ein Ehrentitel. Auch sonst verwandeln sich die Menschen. Nehmen wir als Beispiel die Frau Kubitze und die Frau Speckmann. Sie haben in unsrem Ort den Ehrennamen „Giftnudeln, aber sobald das liebe Weihnachtsfest naht, sagen sie freundlich „Guten Morgen!“ zueinander. Die Frau Speckmann hängt ihre schweren Brüste über den Zaun und fragt die dünne Frau Kubitze „Was ist denn in dem Paket alles drin, was die Postbotin brachte?“ Und die Klapperschlange antwortet freundlich „Ach wissen Sie, zu Weihnachten denkt sogar meine geizige Schwester an mich.“ Und die Giftnudeln verstehen sich gut und sind nur noch zu Hause aufeinander neidisch.

Auch bekommen manche Leute vor Weihnachten die Schreibwut und wenn das schönste Weihnachtsgeschenk ankommt, fragen sie die Frau Postbotin, ob diese Weihnachtskarte alles ist, und ob nicht ein Paket dabei war.

Auch manche Lehrer machen eine Wandlung mit, besonders am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien. Auf ihren Gesichtern sitzt ein milder Schein. In diesen Tagen gibt es auch keine schlechten Zensuren oder Tadel. Wenn zum Beispiel der strenge Herr Löschwil in Klasse kommt, leuchten seine Augen wie nach einem Schnäpschen. Man kann sagen, er hat den Weihnachtsblick.

Kommt unser Herr Deutschlehrer, den wir Mister Nase nennen, schnuppert er wie ein Kaninchen und spricht mit breitem Mund: „Oh, es duftet ja nach Tannengrün.“ Sonst richt es bei ihm immer nach ungewaschenen Körpern. Was danach kommt, wissen wir schon. Die Weihnachtslehrer erzählen alle dasselbe Weihnachtsmärchen, nämlich das von dem Mädchen mit Schwefelhölzern. Die Mädchen kuscheln sich zusammen und hängen mit den Augen an den Lehrerlippen. Wir Jungen machen die Augen zu und denken, wenn bloß bald Feierabend wäre.

Sogar unser bullerige Herr Burschelmann ist vom Weihnachtsfest angesteckt. Erst lässt er die Klasse lüften, dass der Mief abzieht. Danach kommt sein Weihnachtsmärchen. Das fängt immer so an: „Wie ich vor ein paar Tagen über den Weihnachtsmarkt ging und die vielen Lichterketten sah, kam mir ein wunderbarer Gedanke.“ Der bestand darin, dass wir ausrechnen müssen, wie viel Lichter es sind, wenn an jeder Bude drei Lampen brennen, am großen Weihnachtsbaum 627 und an jeder Kette 132 Glühbirnen, und wie groß der Stromverbrauch ist, wenn jede Glühlampe nur 25 Watt hat, und ob wir uns das leisten können.

Am schönsten ist die letzte Stunde beim Fräulein Heidenröslein. Sie singt zweistimmig „Bald nun ist Weihnachtszeit …“ und andere Stimmungslieder. Sogar der Schweine-Siggi hört ihr gern zu und er fragte voriges Jahr Fräulein Heidenröslein, ob sie das Weinachts-Cowboy-Lied kennt. Es fängst so an: „Es ist ein Ross entsprungen, in einer Winternacht …“ Das Heidenröslein kannte es ein bisschen anders. Es klang sehr schön, nur war es mehr ein Gärtnerlied. Die brave Bärbel muss immer das Gedicht aufsagen: „Denkt nur, ich habe das Christkind gesehen“, aber keiner will es ihr glauben, weil sie öfters mal schwindelt. Deshalb habe ich mir für dieses Jahr ein zusammenfassendes Weihnachtsgedicht ausgedacht. Und es geht so:

Menschen, welche meistens wild,
werden vor Weihnachten mild.
Frau Speckmann grüßt von Haus zu Haus,
Herr Löschwil schimpft uns nicht mehr aus.
Herr Burschelmann wird wie ein Lamm,
auch Mister Nase reisst sich zusamm’.
alle haben einen frohen Tick
und den Weihnachtsblick.

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Es ist ein Ros‘ entsprungen

ros_entsprungen

Es ist ein Ros‘ entsprungen
aus einer Wurzel zart;
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art.
Und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie, die reine Magd.
Aus Gottes ew’gem Rat
hat sie ein Kind geboren
und blieb doch reine Magd.

Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine
vertreibt’s die Finsternis,
wahr Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.

Im Speierschen Gesangsbuch von 1599 gab es 23 Strophen. Drei sind populär geblieben. Zur Beliebtheit hat insbesondere der vierstimmige Tonsatz von Michael Praetorius beigetragen, der 1609 entstand. Mit der Rose war ursprünglich das Reis gemeint, das aus der Wurzel Jesse (dem Vater Davids und damit Vorfahr Mariens) kam und mit der Gottesmutter gleich gesetzt wurde. Im Protestantischen wurde dann die Wurzel mit Maria und das Röslein mit Jesus identifiziert.

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Aus Großmutters Backrezepten: Wir backen Stolle

Rosinen-Stollen – Striezel

Zunächst stellt man aus 1 Pfund Mehl, 125 Gramm Hefe, 100 Gramm Zucker und ½ Liter Milch ein Hefenstück her. Hierzu gibt man, ist die Masse in Gährung, folgende Zutaten, welche für 4 Große Stollen berechnet sind:

12 Pfund Mehl, 4 Liter warme Milch, 3 Pfund Butter, 1 ½ Pfund gut mit Milch ausgebratenes Rindernierenfett (Anmerkung: heute kann man Butterschmalz verwenden) , 4 Pfund Rosinen, 3 Pfund wohlverlesene Korinthen, 1 ½ Pfund Zucker, in kleine Würfel geschnittenen Zitronat und endlich die abgeriebene Schale einer Zitrone.

Nachdem alles tüchtig mit beiden Händen zu einem festen Teig verarbeitet, der sich leicht von der Backmulde löst, stellt man die Masse auf 3 Stunden zum Aufgehen fort, worauf man die Brode formt und sie in gut mit Butter verstrichene Blechen nochmals aufgehen lässt.; dann bildet man mittels des Rollholzes einen Längensaum in der Stolle, bestreicht sie mit zerlassener Butter und backt sie in einem wohlgeheizten Ofen. Sobald das Gebäck herausgenommen, bestreicht man es nochmals mit Butter und streut reichlich Zucker und Zimt darauf.

Zudem das Verhältnis der Milch zum Mehl schon deshalb nie genau bestimmt werden kann, weil die Quellgrade des Mehls sehr verschieden sind, so thut man gut, stets etwas Milch in Bereitschaft zu halten.

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Will ich auch ein Stiefel haben, muss ich putzen ohne fragen.
Ei, wie ist der Stiefel fein, wenn da kommt was schönes rein.

nikolausstiefelrenikolausstiefelli

Nicht vergessen, morgen kommt der Nikolaus!

birds-garland

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