15. Dezember

Altes Kaminstück

Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam, stillvertraut.

Kamin

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut;
Und die Flammen schweben, weben,
Wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manche längst vergessne Zeit,
Wie mit bunten Maskenzügen
Und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Frauen, mit kluger Miene,
Winken süßgeheimnisvoll,
Und dazwischen Harlekine
Springen, lachen, lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
Traumhaft neben ihnen stehn
Märchenblumen, deren Blätter
In dem Mondenlichte wehn.

Wackelnd kommt herbeigeschwommen
Manches alte Zauberschloss;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter, Knappentross.

Und das alles zieht vorüber,
Schattenhastig übereilt –
Ach! da kocht der Kessel über,
Und das nasse Kätzchen heult.

Heinrich Heine  (1797-1856)

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Unsere Märchenstunde:

Rotkäppchen – wie es der verwirrte Großvater erzählt

opa200.jpgEs war einmal ein kleines Mädchen, das hieß Gelbkäppchen…

Nein, Rotkäppchen.

Ach so, Rotkäppchen. Eines Tages sagte die Mutter: Hör zu Grünkäppchen…

Nicht doch, Rotkäppchen.

Aber ja, Rotkäppchen. Geh zu Tante Erika und bring ihr diese Kartoffelschale …

Falsch! Geh zur Großmutter und bring ihr diesen Kuchen. Schon gut. Das Mädchen ging in den Wald und begegnete einer Giraffe …

Was für ein Humbug! Sie begegnete dem Wolf und nicht einer Giraffe.

Und der Wolf fragte: Wieviel ist 6 x 8?

Stimmt ja gar nicht. Der Wolf fragte: Wo gehst du hin?

Schon recht. Und Schwarzkäppchen erwiderte …

Das Mädchen hieß Rotkäppchen. Rot, rot!

Richtig. Es antwortete: Ich gehe in die Markthalle, Tomatenketchup kaufen.

Unsinn! Ich gehe zur kranken Großmutter, bin jedoch vom Weg abgekommen.

Ach so. Und das Pferd sagte …

Was für ein Pferd? Es war doch der Wolf.

Natürlich. Und der Wolf sagte: Nimm die Straßenbahn 75, steig Rathausplatz aus und biege rechts ab. Du wirst drei Stufen und einen Groschen sehen. Kümmer dich nicht um die drei Stufen, sondern heb den Groschen auf und kauf dir einen Kaugummi dafür.

Opa, du kannst keine Märchen erzählen, du wirfst alles durcheinander. Den Kaugummi kaufst du mir aber trotzdem.

Schon gut. Hier hast du deinen Groschen.

Und der Großvater vertiefte sich wieder in seine Zeitung.

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Advents-Muffins

Zubereitungszeit: ca 70 min.
Zutaten für 12 Muffins:

1 Paket Tiefkühl Hefeteig aufgetaut
50 g Orangeat gewürfelt
80 g Rosinen
1/4 TL Zimt
1 Eigelb
50 g Hagelzucker

Zubereitung Muffins:

Hefeteig mit Rosinen, Orangeat und Zimt verkneten. 12 Kugeln formen und 30 min gehen lassen. Ofen auf 200 Grad vorheizen. Kugeln mit Eigelb bepinseln und mit Hagelzucker bestreuen. Muffins in die Formen setzen und ca. 25 min goldbraun backen. 5 min erkalten lassen erst dann aus der Form lösen. Mit Marmelade und Butter servieren.

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De|zem|ber, der; -[s], -dat. > Der kürzeste Monat des Jahres. Er zerfällt praktisch in drei Abteilungen: Die erste währt gemeinhin zwanzig Tage bei tendentieller Arbeitsabschwächung durch Nikolaus, Betriebsfeiern, Adventskegeln und dergleichen folkloristischer Klimapflege. In der zweiten Abteilung haben wir nach dem stimmungsmäßigen Vorlauf den eigentlichen Festauslöser im handlichen Dreierpack vom 24./25./26. und danach jene Phase, die es eigentlich gar nicht gibt, weshalb sie auch keinen Namen hat. Man nennt sie notdürftig „zwischen den Jahren“.

birds-garland

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