19. Dezember

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Heute ist der  „Such-einen-Weihnachtsbaum-Tag“.
Also los, beginnen wir mit einem Rätsel.

Rätsel
– Robert Gernhardt –

”Das ist ein Baum, ist immer grün,
wächst nicht in der Savanne.
Wächst da, wo Deutschlands Blumen blühn,
und winters auf ihm Kerzen glühn –
wie heißt der Baum?”

“Marianne?”

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Der geklaute Weihnachtsbaum

Vom Walde draußen bin ich her,
ich wußte gleich, es weihnachtet sehr,
als dieser Kerl mit Beil und Schlitten,
verdächtig um mich rumgeschlichen.
Jetzt fängt er an mich umzuhauen,
Au! das tut weh! Der will mich klauen!
Der wird sich wundern hat er mich zu Haus.
Denn leider gehen mir die Nadeln aus.
Der Förster meint, das käm vom sauren Regen,
so schlimm wie dies Jahr sei`s noch nie gewesen.

Nun schmeißt er mich auf seinen Schlitten
und zurrt mich fest.
Jetzt schnell noch eine Minitanne ausgerissen,
damit zum Fest die Oma auch ein Bäumchen hat und nichts wie weg.
Womöglich macht zu dieser Stunde
der Förster grade seine Runde
und dem möcht er nicht in die Arme laufen.

Er hastet eilig durch den Wald,
inzwischen ist ihm lausig kalt.
Fliegt über eine Wurzel hin
und schrammt sich auf das Doppelkinn.
Bleibt steh`n um etwas zu verschnaufen
und merkt, jetzt hat er sich verlaufen.

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Sucht fluchend nun am Waldesrand
bis er sein Auto wiederfand.
Wirft mich, er hat`s gefunden kaum,
samt Schlitten in den Kofferraum und startet…
aber, tuck, tuck, tuck,
das Auto macht nicht einen Ruck.

Wär nicht ein netter Mensch gekommen,
der ihn in`s Schlepptau hat genommen.
er stünde noch dort sicherlich.

Ja, Weihnachtsbäume klaut man nicht.

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Lebenslauf eines Weihnachtsbaums
– von Jochen Petersdorf –

Ein zukünftiger Weihnachtsbaum berichtet:

Ich heiße Johann Gottlieb und bin Fichte. Deshalb diese Vornamen. Eine Tante von mir ist Kiefer und heißt Marianne. Wir haben auch ein schwarzes Schaf in der Familie. Er ist Alkoholiker und deshalb Blautanne. Trotzdem ist er als Weihnachbaum wegen seiner geschwollenen Nadeln sehr beliebt. Er tritt sogar im Fernsehen auf und Künstler singen dann vor ihm oder daneben. Manchmal zeigt ihn die Kamera in Großaufnahme. Da ist er ganz aufgeregt und nadelt unter sich. Das wird aber vom Ballett vertanzt.

Ich selbst als einfach Fischte halte mich aus solchen Sendungen raus. Ich bin ein Baum für die Stube, von der Lindenstraße bis zur Karl-Marx-Allee. Ich gucke auch weniger in die Röhre. Ich höre lieber Radio. Hör ich Antenne Brandenburg, da geh’n mit mir die Nadeln durch. Ich bin zwar noch nicht sehr alt, habe aber dennoch eine recht interessante Vita. Meine Großmutter sagte zu Vita Lebenslauf. Sie ist gestorben. Daran sieht man, ohne Vita geht es eben nicht.

Ich bin von Geburt Brandenburger, also umgeben von vielen Kiefern aufgewachsen. Wir haben uns aber gut vertragen. Nur zweimal haben welche gerufen „Ausländer raus!“ Das waren Latschenkiefern, die haben nicht viel im Wipfel. In unserer Gegend werden alljährlich allerhand Weihnachtsbäume geschlagen. Zum Glück nur zur Weihnachtszeit. Die Fußballmannschaft dieser Gegend wird jeden Sonnabend geschlagen.

Meine Kindheit verlief friedlich und harmonisch. Ich besuchte die Baumschule und wurde mehrmals mit der Ehrennadel der FDJ ausgezeichnet. FDJ das hieß „Fichte des Jahres“. So wuchs ich in unserer eingezäunten Schonung ganz gut heran. Nebenan im Jagen 24 gab es Diplomatenjagen. Aber die meisten Diplomaten sind durchgekommen.

Studieren ließ man mich nicht, denn eine entfernte Verwandte von mir lebte als Duklasie in den USA. Deshalb hatte der alte Oberförster auch eine Akte von mir angelegt. Darin wurde ich als IM geführt. Das hieß “immer müde“. Aber ich war prächtig gewachsen. Deshalb wurde ich auch nicht zum Weihnachtsbaum gemacht. Den damals … damals wurden in erster Linie die mickrigen und zerknautschten Typen auf den Markt gestellt.

Es ist erstaunlich, was die Menschen dann mit Kugeln und Lametta aus solch einer Krücke herausholten. Das ist heute ganz anders. Heute ist fast jeder Baum ein Prachtstück. So mancher Käufer ist froh, wenn er mit einem billigen Strunk ein Schnäppchen gemacht hat. Trotzdem hoffe ich, dass ich auch als schmucker Kerl eine Chance hab’, in gute Hände zu kommen.

Manche Leute bevorzugen ja einen immergrünen Kunststoffbaum. Diese Dinger sind unsereinem fast zum Verwechseln ähnlich, haben allerdings einen anderen Körpergeruch. Aber in Verbindung mit Tannenspray machen sie auch Eindruck. Wenn dann noch elektrische Kerzen dazu kommen, dann können nur noch die brennenden Flügel der Holzpyramide für ein gemütlichen Stubenbrand sorgen.

Ich selbst bleibe ja lieber beim alten Stil und träume schon jetzt von einem angenehmen Einsatzort, mit Pfefferkuchenduft, strahlende Kinderaugen und einer Omi, die mit den Kleinen Weihnachtslieder singt bis der Papa ruft: „Halt die Klappe! Im Fernsehen singt Heino „Stille Nacht!“

Ich glaube ich muss jetzt meinen Bericht abbrechen. Es sieht so aus, als will mich einer kaufen. Tatsächlich, jetzt wird er wohl gleich nach alter Gewohnheit eine Schnur aus der Tasche zieh’n um mich herum und unter mich durch kriechen, um mich einigermaßen verschnürt davon zu schleifen. Doch nein, Ich werde in eine Art Kanone geschoben und in ein Netz geschossen. Donnerwetter, das ist eine tolle Sache und bestimmt eine Erfindung aus dem Westen. Damit gehöre auch ich nun zu all den Glücklichen, die dem Westen ins Netzt gegangen sind.

Frohes Fest!

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Vom Beimchen, das andre Blädder wollte

Ä Nadelbeimchen schtand im Walde
Un schimpfte, dasses weithin hallte:
«Warum bloß habb ich geene Blädder?
Das war doch wärklich viel viel nädder.
Dann sähk ich wie de ändern hier
Un nich wie so ä Schtacheldier.»

Druff winschte sich’s so rächt von Härzen,
Bevor sich’s dat in Schlaf neinschtärzen,
Viel goldche Blädder an de Zweiche,
’s wollt’s scheenste sin im ganzen Reiche.
Friehmorchens, wie’s ähmd uffgewacht,
Schtehts da in goldener Blädderbracht.

«Was saachtr nu?» rief s schtolz un schtrahlte.
Doch wie’s noch mittendrinne brahlte,
Da gam ä Reiwer mit ä Mässer,
Dar schrie: «De Zeiten warn jetz bässer!
Schon sieht mrsch Gold vom Boome bammeln!»
Rubbs, datr sich de Blädder sammeln.

Da schdand nu`s Beimchen nackch und gahl
Un meente: «’s is doch ä Schgandahl!
Gaurn hat mr sich hibsch rausgebäbbelt,
Da gommt ä Reiwer angesäbbelt.
Drum winsch ich liewer mir jetz Laub
Aus Glas, das reizt nich so zum Raub.»

Am nächsten Morchen, so ä Schbaß,
Hing’n Blädder dran aus Glimberglas,
Die glitzerten wie Silwerzeich,
Ä wahrer Schtaat war jeder Zweich.
Doch blätzlich gam ä Wärbelschtorm,
Dar hat de Härrlichgeet verdorm.

«Nu so ä Mist», rief’s Beimchen da,
Wie’s rings um sich de Schärwel sah,
»Jetz wär mrsch liewer, meine Blädder
Wärn grien, dann gimmert mich gee Wädder.
Was nitzt een de Besonderheet,
Wennse bloß gnabb ä Daach beschteht!»

Un wieder gimg de Sonne uff.
Da hatte’s Beimchen Blädder druff
Genau so grien wie de Golleechen.
Rax, dat sich was im Busche reechen:
Ä Ziechenvieh gam angehubbt
Un hat de Zweiche gahlgerubbt.

Vor Schräck fand´s Beimchen nich ee Wort.
De Zieche war schon lange fort,
Da schtands noch immer wie bedäbbert
Un fiehlte sich schwär abgeläbbert.
Ach, dachtes draurich so fier sich,
De Nadeln warn äs schlächtste nich.

Harztränchen weent’s, die sahk mr borzeln
Wie Bärln bis nunter uff de Worzeln.
Wie’s frieh erwachte aus sein Dreimchen,
Da warsch wie eenst ä Nadelbeimchen.
«Nu Goddseidank», so feixte’s froh,
«s’gescheitste is, mr bleibt ähmd so!»

Weihnachtsbaum

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Oh Tannebaum
(… aus der Sicht des Baumes)

Oh Tannebaum und andre Lieder,
so singt Ihr alle Jahre wieder.
Als Weihnachtsbaum ist´s mir zu dumm,
steh´ nutzlos halbtot bei Euch rum.
Mit Firlefanz behängt Ihr mich,
Euch ist´s dabei ganz feierlich,
ne kitschig bunte Weihnachtsspitze
verpasst Ihr mir als Zipfelmütze.
Ach Leute, macht mich nicht so nieder
und gebt mir meine Würde wieder.
Trotz Eurer Heizung ist´s mir kalt,
ich will zurück in meinen Wald.

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… und noch ein Rezept für die wirklich besten Plätzchen.

Weinplätzchen

Zutaten:
300 g Butter (weich)
50 g Zucker
300 g Mehl
2 Esslöffel Wein

Zubereitung: Zutaten 1 Tag vorher zu einem Teig verarbeiten und über Nacht kalt stellen. Am nächsten Tag den Teig ausrollen (nicht zu dick) und Plätzchen ausstechen. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und im Elektroherd bei 160 ° bis 170 ° C Umluft backen. Wenn die Plätzchen ausgekühlt sind, dann auf ein Plätzchen Konfitüre oder Gelee (z. B. Preiselbeere, Johannisbeergelee …) geben und mit einem 2. Plätzchen abdecken. Auf die Plätzchen Staubzucker streuen.

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