20. Dezember

picwtl.gifWichteltag

Heute ist ein wichtiger Tag, denn heute wird gewichtelt. Da freue ich mich doch schon drauf und auf die kleinen Überraschungen. Deshalb heute alles um das Thema Wichteln.

Wichteln

Frau Sulzbacher hatte in der großen Pause die Aufsicht auf dem Schulhof. Aus der Ecke am Toilettengebäude schallte es herüber im Chor: „Spaghettifresser Tonio hat Wanzen, Läse und ’nen Floh.“ Sie lief auf die Kinder zu, die in einer Traube um Tonio Zuccarelli herumstanden und ihn in die Ecke gedrängt hatten. Tonio hatte die Fäuste in die Hosentasche gesteckt, die Schultern hochgezogen und starrte auf den Boden. Er war einen Kopf größer als die anderen Kinder der 3. Klasse. „Spaghettifresser …“, stimmte Kalle Blum erneut laut den Spottvers an.

„Schluss jetzt!“, rief Frau Sulzbacher und drängte die Kinder auseinander. „Es ist hässlich von euch“, tadelte sie, „den Tonio immer zu ärgern.“ „Es macht Spaß, wenn er wütend wird“, sagte Kalle Blum. „Dann sieht er aus wie ein Hund, wenn er eine Katze riecht.“, rief Sylvia. „Still jetzt! Kein Mensch sieht aus wie ein Hund.“ „Doch“, widersprach Sylvia, „wenn Tonio die Wut kriegt, dann sieht er aus wie unser Hund.“ „Genauso siehr er aus!“, bestätigte Kalle Blum, obwohl er Sylvias Hund noch nie gesehen hatte.

Kalle hatte Wut auf Tonio. Bevor der „Itaker“ in die Klasse gekommen war, war Kalle der Stärkste gewesen. Tonio war stärker. Und Papa Blum sagte es auch: „Sie ‚Spaghettis’ nehmen uns hier nur die Arbeitsplätze weg.“ Warum musste Frau Sulzbacher den Italiener ausgerechnet an Kalles Tisch setzen? Papa hatte auch gesagt: „Die Ausländer, die sollten sie in die deutschen Klassen erst gar nicht reinlassen.“

Nach der Pause machte Frau Sulzbacher einen Vorschlag. „Weil Advent ist, wollen wir ein schönes Spiel spielen“, sagte sie. „Ich habe auf kleine Zettelchen die Namen aller Kinder in der Klasse geschrieben. Jeder darf ein Zettelchen ziehen. Keiner soll verraten, welchen Namen er gezogen hat.“ „Zu niemandem darf man das sagen?“ fragte Sylvia. „Zu niemandem. Denn ihr könnt für das Kind, dessen Namen ihr gezogen habt, ein Wichtel sein.“ „Wichtel? Blöd! Was ist das denn?“ schrieen die Kinder durcheinander. „Ich habe den Namen und das Spiel nicht erfunden“, sagte Frau Sulzbacher. „Aber ich kann euch erklären, was er bedeuten soll. Für jeden Tag soll ein Wichtel überlegen, wie er dem anderen eine Überraschung bereiten kann. Alles muss ganz heimlich geschehen. Niemand darf sagen, wem er in der Adventszeit kleine Freuden machen will.“

„Quatsch“, sagte Kalle. „Wichtelei, so ´n Quatsch“! „Kein Quatsch“, widersprach Frau Sulzbacher. „Freude wird doppelt schön, wenn man sie weitergibt.“ „Und wenn ich den Namen von dem da ziehe? Soll ich dem etwa jeden tag etwas zustecken?“ Kalle zeigte auf Tonio. Das wäre für den Kalle ganz gut, dachte Frau Sulzbacher. Aber Kalle zog nicht Tonios Zettel. Auf seinem Blatt stand Michael.

Am ersten Tag fand Kalle in seiner Anoraktasche ein Zimtplätzchen. Wer wusste, dass er Zimtplätzchen am liebsten aß? War es sein Freund Hannes, der ihn beschenkte? Am zweiten Tag entdeckte er in seinem Etui ein Sammelbild von Hansi Müller. Genau dieser Fußballer fehlte ihm. Der Wichtel musste ihn genau kennen. Wer war es? An den folgenden Tagen bekam er lauter Kleinigkeiten, die er schon ange haben wollte: einen Bleistiftspitzer in einer Weltkugel, einen Angelhaken, und einmal sogar etwas, worüber die ganze Klasse staunte.

nikmster.jpgKalle hatte arglos in die Tasche gefasst und war erschreckt zurückgefahren. In der Tasche bewegte sich etwas. Vorsichtig zog er einkleines braunes Knäuel heraus, das sich als junger Goldhamster entpuppte. Jetzt konnte Kalle es vielleicht herausbekommen, wer ihn beschenkte. Wer hatte zu Hause Goldhamster? Aber so sehr er auch forschte, er kam nicht weiter. Hannes besaß zwar einen Goldhamster, aber wer hat schon gehört, dass ein Hamsterbock Junge bekommt?

Am allerletzten Schultag vor den Weihnachtsferien ahnten die meisten Schüler, wer ihr Wichtel gewesen war. Es war eine schöne Zeit des Ratens und der Überraschungen gewesen. Nur Kalle hatte immer noch keinen Schimmer, wer ihn beschenkt hatte. Da fand er nach der Pause einen herrlichen Satz italienischer Briefmarken in seinem Schreibheft. Briefmarken? Italienische? Kalle blickte zweifelnd zu Tonio hinüber. Der schauet ihn ängstlich an. „Du, Spaghettifr…?“ Kalle schluckte. „Du warst das Tonio?“ Tonio nickte. „Mensch!“ sagte Kalle. Er kam sich gemein vor. „Danke“, sagte er. „War schön!“, antwortete Tonio.gnisse.gif

Am Heiligen Abend brachte der Briefträger eine riesengroße Weihnachtskarte für Schüler Tonio Zuccarelli: „Lieber Tonio“ Fröhliche Weihnachtsen wünscht dir von Herzen Kalle“, stand darauf. Tonio heftete die Karte mit einer Nadel an die Tapete über sein Bett.

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Zehn kleine Weihnachtswichtel

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Zehn kleine Weihnachtswichtel kleben mit viel Leim,
einer hat sich fest geklebt, da waren’s nur noch neun.

Neun kleine Weihnachtswichtel arbeiten bis in die Nacht,
einer ist eingeschlafen, da waren’s nur noch acht

Acht kleine Weihnachtswichtel kochen Speck mit Rüben,
einer hat davon genascht, da waren es nur noch sieben.

Sieben kleine Weihnachtswichtel dichten einen Weihnachtstext,
bei einem hat sich`s nicht gereimt, da waren es nur noch sechs.

Sechs kleine Weihnachtswichtel stricken bunte Strümpf`,
einer hat nicht mitgemacht, da waren’s nur noch fünf.

Fünf kleine Weihnachtswichtel basteln ein Spinnentier,
einer hat Angst gehabt, da waren’s nur noch vier.

Vier kleine Weihnachtswichtel kochen süßen Brei,
einem hat es nicht geschmeckt, da waren’s nur noch drei.

Drei kleine Weihnachtswichtel besuchen eine Schreinerei,
einer ist dageblieben, da waren’s nur noch zwei.

Zwei kleine Weihnachtswichtel nähen einen Latz aus Leinen,
einer hatte sich vernäht, da gab es nur noch einen.

Ein kleiner Weihnachtswichtel geht traurig vor die Tür,
zur großen Überraschung waren alle Wichtel wieder hier.

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Im Allgemeinen sind Wichtel liebenswerte, lustige und fleißige Gesellen. Nur bei bestimmten Sachen verstehen sie keinen Spaß. Lest Ihr die Geschichte vom Mädchen, das den Brei des Wichtels aß

picwtl.gifEs war einmal ein Mädchen, das mit dem Weihnachtsbrei zum Wichtel gehen sollte. Aber das Mädchen war hungrig, deshalb aß sie den Brei selber. Das war dumm von ihr!

Plötzlich stand da ein kleiner Kerl mit einem grauen Bart und einer roten Mütze vor ihr. Er war wütend und packte das Mädchen am Arm. Dann begann er mit ihr zu tanzen, während er sang: »Hast du den Brei des Wichtels aufgegessen, mußt du mit dem Wichtel tanzen.«

Er sang und schwang das Mädchen rund und rund. Sie tanzten bis das Mädchen außer Atem und fast ohnmächtig war. Dann hob er sie hoch und warf sie in die Luft. Das Mädchen tat sich weh und das war das letzte Mal, daß sie den Brei des Wichtels aufass.

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Die wahre Geschichte der Leipziger Glückswichtel

Als ich im letzten Jahr über den Leipziger Weihnachtsmarkt bummelte, erzählte mir eine gute alte Frau die wahre Geschichte der Leipziger Glückswichtel.

„In lauen Vollmondnächten kann man die kleinen Gesellen umherhuschen sehen. Wer mucksmäuschenstill ist und sie sieht, dem steht das Glück für lange Zeit zur Seite.

Aber wehe … Wer erzählt, dass er einen der kleinen Wichtel gesehen hat, den verlässt das Glück so schnell, wie es gekommen ist. Und dann heisst es warten bis zur nächsten Gelegenheit … und schweigen.“

Jetzt wisst Ihr, warum Euch noch niemals jemand erzählt hat, dass er die kleinen Kerle in einer lauen Vollmondnacht leibhaftig gesehen hat.

Der nächste Vollmond ist aber erst wieder am 5. Januar 2015, 05:53 Uhr.

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„Wie leide ich vor Sehnsucht!
Wäre doch schon Weihnachten.“

(Hans Christian Andersen)

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